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Eggesin möglicherweise

BRD, 2005, 35mm, Farbe, 84 Min.

      Einst war Eggesin eine von Kasernen und modernen Plattenbauten umsäumte Kleinstadt, in der zeitweise 27.000 Soldaten und 9000 Einwohner lebten. Zu DDR-Zeiten war hier ein großer Militärstützpunkt der Nationalen Volksarmee (NVA) angesiedelt, wo junge Soldaten trainiert und ausgebildet wurden. »Autonome Panzerrepublik« wurde Eggesin genannt und wuchs binnen kürzester Zeit vom 3000-Seelen-Nest zu einer Kleinstadt an. In Ostdeutschland galt der Ort als »Mythos für die Verschwendung von Lebenszeit junger Männer«- heißt es im Dokumentarfilm von Olaf Winkler und Dirk Heth. Weder vom Ort noch von seinem Mythos sind viel übrig geblieben. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 fiel Eggesin den typischen Strukturproblemen im Osten zum Opfer. Zunächst wurde unter der Ägide der deutschen Bundeswehr die Anzahl der stationierten Soldaten auf 5000 Mann reduziert. Daraufhin bracht die örtliche Wirtschaft zusammen und eine massive Abwanderung, bevorzugt unter jungen Leuten, setzte ein. Mehr als dreißig Prozent der Einwohner haben Eggesin seitdem verlassen, weitere dreißig Prozent sollen laut Vorhersage noch folgen. Die Kohl-Regierung hatte zunächst Hundert Millionen D-Mark in den vorpommerschen Bundeswehr-Standort investiert und die Stadt Eggesin, auf Basis dieser Zusage, für verbesserte Wohnverhältnisse und ein attraktiveres Freizeitangebot gesorgt. Dann kam es unter Bundeskanzler Schröder zum großen Kahlschlag. Insgesamt 39 Truppenstandorte in ganz Deutschland wurden kassiert - darunter Eggesin. Seitdem sitzt die Stadtregierung auf hohen Kreditlasten. Über siebzig Prozent der Einwohner, deren Kaufkraft ohnehin bei nur 30 Prozent liegt und zur schwächsten im Bundesgebiet zählt, sind arbeitslos. Ehemalige NVA-Offiziere betreiben nun eine Dorfwirtschaft oder verdingen sich als Imker. Der örtliche Buchhändler ist nebenbei als Fotograf tätig und veranstaltet Bewerbungskurse für Arbeitssuchende, in denen er seinen Zuhörern empfiehlt, sich nie wieder nur auf ein berufliches Standbein zu verlassen. Ein junger Büchsenmacher, dessen Gewerbe nach dem Truppenabzug wenig zukunftsträchtig erscheint, hat ein kleines NVA-Museum gegründet und aufgebaut. Ein anderer Einwohner hat eine echte Marktlücke entdeckt und züchtet kanadische Riesentauwürmer für Angler. Die Eggesiner sind geschäftige und tapfere Leute. Obwohl ständig über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde, haben sie sie nicht in den Sand gesteckt. Jetzt nimmt ihre Arbeit größtenteils nicht mehr am marktwirtschaftlichen Kreislauf teil. Stattdessen legen die Eggesiner großes bürgerschaftliches Engagement an den Tag und organisieren sich in Tanzvereinen, Seniorenclubs oder im Freizeitzentrum Move. Für ein ehrgeiziges, neues Stadtentwicklungskonzept haben sie den silbernen Preis beim Bundesprogramm »Städtebau Ost« errungen. Eggesin steht für ein alternatives Modell von Bürgerarbeit, jenseits der Marktgesellschaft und Marktgesetze. Anstatt sich den geschichtlichen Gegebenheiten ohnmächtig auszuliefern, versuchen die Eggesiner, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Die Filmemacher Olaf Winkler und Dirk Heth, die zwischen November 2001 und September 2003 in und um Eggesin gedreht haben, dokumentieren nicht allein den Verlauf des Niedergangs einer Kleinstadt, sondern zeigen auf ebenso subtile wie poetische Weise die Macht von Geschichtsprozessen. Orte wachsen und schrumpfen, Häuserzeilen und Straßenzüge werden aufgebaut und wieder eingerissen, Menschen siedeln sich an und verlassen eine Region. Geschichte erscheint als Schicksal, dem Menschen zwar ausgesetzt sind, ihm aber Mut und Einfallsreichtum entgegensetzen.

      Programm

      HARRIET - DER WEG IN DIE FREIHEIT

      "Filmreihe Vielfalt und Toleranz" In memoriam George Floyd - Gegen Rassismus!

      HARRIET - DER WEG IN DIE FREIHEIT

      Regie: Kasi Lemmons
      USA 2019, Farbe, 125 Min., dt. Fassung
      Darsteller: Cynthia Erivo, Leslie Odom Jr u.a.

      Fabrik Kino 1
      • Sa 08.08. 17:30 Uhr
      • Sa 08.08. 20:15 Uhr
      • So 09.08. 17:30 Uhr
      • So 09.08. 20:15 Uhr
      • Mo 10.08. 17:30 Uhr
      • Mo 10.08. 20:15 Uhr
      • Di 11.08. 17:30 Uhr
      • Di 11.08. 20:15 Uhr
      • Mi 12.08. 17:30 Uhr
      • Mi 12.08. 20:15 Uhr
      I VITELLONI -  DIE MÜSSIGGÄNGER

      Kleine "Filmreihe Fellini"

      I VITELLONI - DIE MÜSSIGGÄNGER

      Regie: Federico Fellini,
      Italien/Frankreich 1953, s/w, 102 Min., OmU
      Darsteller: Franco Fabrizi, Alberto Sordi

      Fabrik Kino 2
      • Sa 08.08. 20:00 Uhr
      Spannende Filmabenteuer

      KinderKinoKiste

      Spannende Filmabenteuer

      vom 11.08. - 27.08.2020

      Fabrik Kino 1
      • Di 11.08. 15:00 Uhr
      • Do 13.08. 15:00 Uhr
      • Di 18.08. 15:00 Uhr
      • Do 20.08. 15:00 Uhr
      • Di 25.08. 15:00 Uhr
      • Do 27.08. 15:00 Uhr
      DIE SCHÖNSTEN JAHRE EINES LEBENS

      DIE SCHÖNSTEN JAHRE EINES LEBENS

      Regie: Claude Lelouch
      Frankreich 2019, Farbe, 90 Min.
      Darsteller: Anouk Aimée, Jean-Louis Trintignant u.a.

      Fabrik Kino 1
      • Do 13.08. 17:30 Uhr
      • Do 13.08. 20:15 Uhr
      • Fr 14.08. 17:30 Uhr
      • Sa 15.08. 17:30 Uhr
      • Sa 15.08. 20:15 Uhr
      • So 16.08. 17:30 Uhr
      • So 16.08. 20:15 Uhr
      • Mo 17.08. 17:30 Uhr
      • Mo 17.08. 20:15 Uhr
      • Di 18.08. 17:30 Uhr
      • Di 18.08. 20:15 Uhr
      • Mi 19.08. 17:30 Uhr
      • Mi 19.08. 20:15 Uhr
      2467 KM - EINE REISE  BIS INS SCHWARZE MEER

      "film & gespräch" - In Kooperation mit "Schnittstelle-Neustrelitz" u.VfKK e.V. - "Filmreihe MENSCH! NATUR!"

      2467 KM - EINE REISE BIS INS SCHWARZE MEER

      Regie: Anton Zabriskie mit Pascal Rösler (Initiator und Protagonist des Films)
      BRD 2017, Farbe, 58 Min.
      Pascal Rösler

      Fabrik Kino 2
      • Do 13.08. 20:00 Uhr
      • Sa 15.08. 20:00 Uhr
      2467 KM - EINE REISE  BIS INS SCHWARZE MEER

      "film & gespräch" - In Kooperation mit "Schnittstelle-Neustrelitz" u.VfKK e.V. - "Filmreihe MENSCH! NATUR!"

      2467 KM - EINE REISE BIS INS SCHWARZE MEER

      Regie: Anton Zabriskie mit Pascal Rösler (Initiator und Protagonist des Films)
      BRD 2017, Farbe, 58 Min.
      Pascal Rösler ist im kino !

      Fabrik Kino 1
      • Fr 14.08. 20:15 Uhr
      (M)OTHER

      In Kooperation mit CSD Neustrelitz / Queer-Strelitz e.V. u.VfKK. e.V "film & gespräch"

      (M)OTHER

      Regie: Antonia Hungerland, Die Regisseurin ist zu Gast!
      BRD 2018, Farbe, 92 Min.

      Fabrik Kino 1
      • Do 20.08. 19:00 Uhr
      NARZISS UND GOLDMUND

      NARZISS UND GOLDMUND

      Regie: Stefan Ruzowitzky
      BRD 2020, Farbe, 110 Min.
      Darsteller: Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea u.a.

      Fabrik Kino 1
      • Fr 21.08. 17:30 Uhr
      • Fr 21.08. 20:15 Uhr
      • Sa 22.08. 17:30 Uhr
      • Sa 22.08. 20:15 Uhr
      • So 23.08. 17:30 Uhr
      • So 23.08. 20:15 Uhr
      • Mo 24.08. 17:30 Uhr
      • Mo 24.08. 20:15 Uhr
      • Di 25.08. 17:30 Uhr
      • Di 25.08. 20:15 Uhr
      • Mi 26.08. 17:30 Uhr
      • Mi 26.08. 20:15 Uhr
      BLUE NOTE - A STORY OF MODERN JAZZ

      "Kino zum Zuhören" - "Reihe Künstlerporträts"

      BLUE NOTE - A STORY OF MODERN JAZZ

      Regie: Julian Benedikt
      BRD/USA 1997, Farbe, 93 Min., teilw. OmU

      • Fr 21.08. 20:00 Uhr
      • Sa 22.08. 20:00 Uhr
      BERLIN, ALEXANDERPLATZ

      BERLIN, ALEXANDERPLATZ

      Regie: Burhan Qurbani
      BRD 2020, Farbe, 183 Min.
      Darsteller: Welket Bungué, Jella Haase, Albrecht Schuch, Joachim Król u.a.

      • Do 27.08. 19:00 Uhr
      • Fr 28.08. 19:00 Uhr
      • Sa 29.08. 19:00 Uhr
      • So 30.08. 19:00 Uhr
      • Mo 31.08. 19:00 Uhr
      • Di 01.09. 19:00 Uhr
      • Mi 02.09. 19:00 Uhr
      RIPLEY

      In Memoriam Ennio Marricone

      RIPLEY'S GAME

      Regie: Liliana Cavani, Musik: Ennio Marricone
      USA/Italien 2002, Farbe, 106 Min
      Darsteller: John Malkovich, Dougray Scott u.a.

      • Do 27.08. 20:00 Uhr
      • Fr 28.08. 20:00 Uhr
      • Sa 29.08. 20:00 Uhr