Fallwurf Böhme
D 2014, 90 Min, Farbe/sw, digital
Sportlich sind sie alle drei – die Zwillinge Matthias und Wolfgang sowie ihr älterer Bruder
Hans-Werner. Aber nur einer schafft den Sprung aus der DDR der 60er Jahre in die
Welt: Wolfgang Böhme – ein Handball-Talent von Weltrang. Ein Linkshänder.
Mit 13 ins Internat, Sportschule, Handelsmarine. Fern von Mutter und Vater. Sportliche
Erfolge und privates Verzweifeln. Schwer eine Liebe fürs Leben zu finden, zwischen
Trainingseinheiten und Handball-Turnieren, die als Gefechte des Kalten Krieges geführt
werden und mit lukrativen Abwerbungsangeboten gespickt sind.
Wolfgang Böhme wird Kapitän der DDR-Auswahl und seine zweite Ehe mit der
Rennrodlerin Ute Rührold zu einer Vorzeige-Familie. Da geschieht das Unfassbare: Kurz
vor den Olympischen Spielen 1980 in Moskau wird er ausgemustert und muss
abtrainieren.
Der Dokumentarfilmer Heinz Brinkmann, der seine Usedomer Jugend in Heringsdorf mit
den Böhme-Brüdern teilte, sucht nach Hintergründen dieses Willküraktes des DDR-
Handballs. Wolfgangs Mannschaftskameraden Klaus Langhoff und Wieland Schmidt
kommen zu Wort. Und auch die damaligen bundesrepublikanischen Gegenspieler: Vlado
Stenzel, Kurt Kühspies, Heiner Brand. Mit Fernseh-Dokumenten der deutsch-deutschen
Handball-Schlachten, über Wolfgangs Tagebücher, den Stasi-Akten bis hin zum DEFA-
Streifen „Die Jagd nach dem Stiefel“, in dem die Zwillinge als Kinder eine Hauptrolle
spielten, versucht der Film jenseits herkömmlicher Schuldzuweisungen differenzierte
Einblicke zu ermöglichen und vermittelt eine Charakterstudie staunenswerter
Brüderlichkeit.