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Felix Jess- Malerei und Zeichnung

FELIX JESS

Eröffnung: 16.10.2026
Datum: von 16.10. bis 11.10.2026
Uhrzeit: Vernissage um 18.00 Uhr
Ort: Fabrik.Galerie

Wann immer Felix Jess die Gelegenheit erhält, im Rahmen eines Stipendiums oder Symposiums an einem anderen Ort zu arbeiten – sei es in der Ferne, wie in Kyoto in Japan, oder näher gelegen, in Hamburg oder Ahrenshoop –, beginnt seine Arbeit zunächst mit dem Umherstreifen. Mit einem wachen Blick bewegt er sich durch die neue Umgebung, und mit ziemlicher Sicherheit begegnen ihm dabei jene malerischen Situationen, die ihren Weg in sein Œuvre finden wollen.

Bevor jedoch Farbe ins Spiel kommt, steht die Zeichnung. Im Skizzenblock nähert sich Felix Jess dem Gefundenen mit einem ebenso kühnen und entschiedenen wie suchenden Strich. Er klärt Linien, Raum und Ausschnitt, folgt den Strukturen der Architektur und prüft, was eine Situation im Innersten zusammenhält. Linien überlagern und verdichten sich, werden verworfen und neu gesetzt. So entstehen auf dem weißen Papier kleine, konzentrierte Bildräume – fast wie Setzkästen, in denen das Beobachtete kostbar aufgehoben scheint.

Das können Szenen aus dem Hamburger Hafengeschehen sein, Brücken und architektonische Verschränkungen oder, wie in jüngeren Arbeiten, die Fassaden alter Geschäfte. Orte, die beinahe beiläufig von einer Stadt erzählen, wie man sie noch vor wenigen Jahrzehnten kannte und die allmählich aus ihrem Stadtbild zu verschwinden drohen. Dazu gehören auch jene Hutgeschäfte, deren Schaufenster und Fassaden Felix Jess mit seinem Blick festhält, bevor sie vielleicht eines Tages nur noch Erinnerung sind.

Sind die räumlichen Fragen in der Zeichnung geklärt, beginnt auf der Leinwand ein neues Spiel. Das konstruktive Gerüst des Bildes übernimmt Felix Jess aus seinen Vorzeichnungen, doch mit der Farbe öffnet sich ein weites Feld malerischer Möglichkeiten, dem er sich mit spürbarer Lust und großer Offenheit nähert.

Dünne Acrylschichten legen sich neben- und übereinander, laufen bisweilen in noch feuchten Grund und entwickeln eine beinahe aquarellhafte Leichtigkeit. An anderer Stelle schließen sich Flächen Schicht um Schicht, werden dichter und bestimmter. Und doch bleibt darunter immer wieder etwas sichtbar: überraschende, kontrastreiche Farben, die zwischen den Schichten hervorblitzten und das gesamte Farbgeschehen zum Klingen bringt.

Dabei besitzt der studierte Maler, Grafiker und Keramiker ein feines Gespür dafür, wann ein Bild genug erzählt hat. Er widersteht gekonnt der Versuchung, jeden Raum zu schließen, jede Beobachtung auszuformulieren. Stattdessen lässt er Leerstellen und Freiräume bestehen. So kann der Blick des Betrachters zwischen leuchtenden Farbklängen, Linien und architektonischen Verschränkungen umherwandern – fast so, wie Felix Jess selbst zuvor durch die Straßen gestreift ist. Und vielleicht liegt genau darin die besondere Offenheit seiner Bilder: Sie zeigen uns einen Ort und lassen zugleich genügend Raum, um darin eigene Wege, Erinnerungen und Assoziationen zu finden.

Die Ausstellung „Felix Jess – Malerei und Zeichnung“ wird am Freitag, dem 16. Oktober, um 19.30 Uhr mit einem Künstlergespräch eröffnet, das dazu einlädt, gemeinsam neue Zugänge zu seinem Werk zu entdecken und den Spuren seiner künstlerischen Arbeit zu folgen. Text: Marieken Matschenz

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