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Neustrelitzer Naturfilmfestival - MENSCH! NATUR!



P r e s s e e r k l ä r u n g

Der Publikumsadler in der Kategorie "Langfilm", gestiftet von der Sparkasse Mecklenburg-Strelitz, geht an den Regisseur Jens Schanze für seinen Film „La Buena Vida“. In dem Film begleitet Schanze die Umsiedlung eines kolumbianischen Dorfes. Die Zwangsumsiedlung der dort seit Jahrhunderten glücklich lebenden Menschen wird von internationalen Konzernen betrieben, um hier Kohle für den Export nach Europa abzubauen. Die Menschen werden vertrieben und das Ökosystem in der Region wird zerstört. Die meisten Besucher hat der Film nachdenklich zurückgelassen. Es ist, so kommentierte es ein Besucher, ein sehr guter, aber auch trauriger Film, man wird ent-täuscht, das heißt desillusioniert, weil "Das gute Leben" der Ureinwohner Kolumbiens beendet wird, nur damit wir in Europa "gut leben" können.

Den Publikumspreis, das Adlerei im Adlernest, gestiftet durch das Nationalparkamt Müritz für den besten Kurzfilm, gewann der Regisseur Andrzej Klamt für seinen Dokumentarfilm "Der Hirte seines Glücks ". Der Film entführt in die unberührte und abgeschiedene Bergwelt des Großen Kaukasus, wo der Ziegenhirte Murman jeden Sommer beim Auftrieb seiner Herde sein Glück findet.

Zu einem Höhepunkt gestaltete sich die Uraufführung des Dokumentarfilms „Waldgeschichten“ von Pitt Venherm, der in sehr poetischen Bildern in Einklang mit der Musik von Torsten Harder auf die 25 jährige Geschichte des Müritz-Nationalparks zurückblickt. Anschließend folgte ein angeregtes Gespräch des Publikums mit den „Gestaltern“ der ersten Stunde, Professor Dr. Hannes Knapp und Amtsleiter Ulrich Meßner sowie dem Filmemacher Pitt Venherm über die Anfangszeit des Nationalparks mit ihren Schwierigkeiten, Zielstellungen und Visionen.

Die Fotografin Kerstin Zegenhagen zeigt in ihrer Ausstellung einen besonderen Blick auf die Spuren, die der Mensch bewusst, unbewusst oder böswillig in der Natur zurücklässt. Die Ausstellung ist noch bis zum 22. November in der fabrik.galerie zu sehen. Ein Konzert mit dem Gitarristen und Bandoneonspieler Oliver Jaeger, ein Buffet mit regionalen Köstlichkeiten, eine Wanderung über den ehemaligen Schießplatz in Granzin und die Vorführung von zwei Gewinnerfilmen des Darßer Naturfilmfestes vom letzten Wochenende rundeten das Programm ab.

"Das besondere 'Format' des Festivals, seine abwechslungsreiche Gestaltung, hat sich erneut großer Beliebtheit beim Publikum erfreut, und daraus erwächst die Hoffnung, dass wir das Festival fortführen können", sagte Horst Conradt als Gastgeber in der Alten Kachelofenfabrik zum Abschluß. Und der Schirmherr des Festivals, Prof. Dr. Hannes D. Knapp, von der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur, erklärte, dass das große Interesse des Publikums an den besonderen Themen des Neustrelitzer Naturfilmfestivals eindeutig für ein siebtes Naturfilmfestival spreche. Die Entscheidung dazu wird in den nächsten Tagen fallen.

Das Foto zeig von links nach rechts Herrn Meßner, Leiter des Nationalparkamtes Müritz, Herrn Hartung, Vorstand der Sparkasse Mecklenburg-Strelitz als Sponsor für den mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreis für den Langfilm und Horst Conradt, Leiter des Festivals, der den Preis treuhänderisch entgegennahm: Anfang des nächsten Jahres wird der Preis dem Filmemacher Jens Schanze in einer besonderen Veranstaltung persönlich überreicht:


Foto: Barbara Lüthi-Herrmann

 

Der Siegerfilm des 6. „Neustrelitzer Naturfilmfestivals  MENSCH! NATUR!“
- Begründung der Auswahljury

Der Publikumspreis für den Langfilm des 6. „Neustrelitzer Naturfilmfestivals MENSCH! NATUR!“ hat die meisten Besucher nachdenklich zurückgelassen. Es ist, so kommentiert es ein Zuschauer, ein sehr guter Film, aber auch traurig, denn man wird ent - täuscht, das heißt desillusioniert, weil „Das gute Leben“ der Ureinwohner Kolumbiens beendet wird, nur damit wir in Europa „gut leben“ können.

Der Publikumsadler geht in diesem Jahr an Jens Schanze für seinen Film „La Buena Vida“- „Das gute Leben“.

In Deutschland werden bald die letzten Kohleminen geschlossen. Doch die Riesenbagger sind weitergezogen in andere Kontinente und Länder. Zu den wichtigsten Lieferanten europäischer Kohlekraftwerke zählt zurzeit Kolumbien. Dort liegt das Dorf Tamaquito, wo der multinationale Cerrejón-Konzern 500 Millionen Tonnen Kohle abbauen will, so heißt es in den Radionachrichten. Die Dorfbewohner werden umgesiedelt, doch am  neuen Wohnort fehlt es an gutem Boden für den Anbau von Pflanzen, und es fehlt Wasser.

Der deutsche Filmemacher Jens Schanze hat diesen Prozess begleitet. Sein Film dokumentiert  ausgesuchte Momente der Zwangsumsiedlungen, von den ersten Infoveranstaltungen bis hin zur Reise des Dorfsprechers Jairo zur Aktionärsversammlung des an der Cerrejón beteiligten Rohstoffgiganten Glencore in die Schweiz. Dort versucht Jairo – von den Konzernherren milde belächelt –, die gegebenen Zusagen öffentlich einzufordern. 

Der visuelle Reichtum des Films profitiert von dem eindrücklichen Kontrast zwischen dem zivilisatorisch karg, doch mit Naturreichtümern üppig ausgestatteten Leben in der Natur und den tristen Neubauten, wo die mitgebrachten Bananenstauden und Hängematten wie Fremdkörper aus einer fernen Welt scheinen.

Jens Schanze betreibt  seit 2002 in München die Produktionsfirma Mascha Film, in der seither alle seine Filme produziert wurden. Jens Schanze ist Mitglied der Deutschen Filmakademie  und seit Oktober 2014 Professor für Film- und Videodesign an der Technischen Hochschule Deggendorf.  Für seine Filme erhielt er zahlreiche Auszeichnungen unter anderem den Adolf Grimme Preis und den Bayrischen Filmpreis.

Neustrelitz, 18. Oktober 2015

 

 

Gewinner des Publikumspreises für den Kurzfilm
beim 6. „Neustrelitzer Naturfilmfestival MENSCH! NATUR!“
- Begründung der Auswahljury           

Das Adlerei im Adlernest für den besten Kurzfilm bleibt in diesem Jahr in Deutschland.
Der Regisseur Andrzej Klamt erhält ihn für seinen Film „Der Hirte seines Glücks“.

Der Film entführt in die abgeschiedene Bergwelt Abchasiens im Großen Kaukasus. Hier lebt der Ziegenhirte Murman gemeinsam mit anderen Hirten ein karges aber zufriedenes Leben. Sein besonderes Glück findet er in jedem Sommer mit dem Auftrieb der Ziegen.  

Alle Besucher dieses Films waren sich darin einig, dass dieser Film das Verhältnis von Mensch und Natur hervorragend und überzeugend thematisiert.
„Spannend und ergreifend, zum Nachdenken anregend“ kommentierten die Zuschauer. „Der Film beschreibt eine ehrliche, tiefe, verbundene ‚Glücklichkeit’ zwischen Mensch, Natur und Tier“, schreibt ein Zuschauer, ein anderer lobt die herrlichen Bilder und die wunderschöne Sprache.

Der Regisseur Andrzej Klamt lebt in Wiesbaden. Er wurde in Polen geboren und kam als Jugendlicher nach Deutschland. Er studierte in Frankfurt/Main Filmwissenschaft und Slawistik. 

Seit 1990 ist Andrzej Klamt als freier Autor und Regisseur tätig und gründete 1994 die halbtotal filmproduktion, die sich auf die Herstellung von Dokumentarfilmen spezialisiert hat.
In der Alten Kachelofenfabrik wurde unter anderem sein Film „Verzeihung, ich lebe“ gezeigt,  deren Protagonisten Auschwitz überlebt haben und mit alten Bildern eine Reise in die Vergangenheit antreten.

Neustrelitz, 18. Oktober 2015