fabrik.intro (Juli)

Liebe Freunde unseres Kulturzentrums,
der Juli ist diesmal bei uns der Monat des deutschen Films. Nur zwei Filme weichen davon ab: "Burning" aus Südkorea und "Zwischen den Zeilen" aus Frankreich.
In unserer Reihe "film & gespräch" haben wir am 12. 7. die Regisseurin Ula Stöckl bei uns zu Gast. Sie brachte schon Ende der 60er Jahre die feministische Perspektive ins deutsche Kino (z.B. mit dem inzwischen legendären Film "Neun Leben hat die Katze"), nun stellt sie uns einige ihrer "Geschichten vom Kübelkind" vor: Das Kübelkind ist eine anarchische Kunstfigur, die unfreiwillig gegen die verengten gesellschaftlichen Verhältnisse kämpft. Ein sicher mehr als interessanter Rückblick auf ein wichtiges Kapitel bundesdeutschen Filmschaffens.
Die "Reihe Künstlerporträts" (siehe "Daniel Hope - Der Klang des Lebens" - 4. bis 6. 7.), die "Filmreihe Rolf Hoppe" (siehe "Der Bruch" am 11. und 13. 7.) und die "Filmreihe Vielfalt und Toleranz" (siehe "Nur eine Frau" vom 11. bis 17. 7.) setzen wir fort. Und anläßlich des 20. Juli, dem Gedenktag des Attentats auf Hitler 1944, zeigen wir - 75 Jahre danach - in der Reihe "Die Erinnerung darf nicht enden!" den Film "Elser- Er hätte die Welt verändert". Georg Elser, Schreiner aus Königsbronn/Württemberg, hatte fünf Jahre vorher schon versucht, Hitler mit einer von ihm selbst gebauten Bombe zu töten. In Zeiten, in denen es straffrei bleibt, wenn die Zeit des Nationalsozialismus als "ein Fliegenschiß in der deutschen Geschichte" bezeichnet wird, ist es wichtig, die Erinnerung wach zu halten an diejenigen, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen die Diktatur gewehrt hatten.
Trotz alledem können wir uns natürlich freuen, wenn die stark erhöhte Wahlbeteiligung bei der Europawahl zum Ausdruck brachte, daß die meisten Europäer weiterhin in Frieden leben wollen! Und wir (noch) u. a. freien Zugang zur internationalen Filmkunst haben! Hoffen wir - und engagieren wir uns dafür -, daß das so bleibt!
In unserem Gartenlokal jedenfalls herrscht augenscheinlich Fröhlichkeit, und wir sind voll (sic!) in die Sommersaison gestartet und alle Gäste genießen die Zeit, draußen sitzen zu können - gut versorgt mit den kulinarischen Genüssen aus unserer Küche und den entsprechenden Getränken. Und da reduzieren wir traditionell etwas unser eigenes Kulturprogramm - zumal rundherum in der Region die vielfältigsten Angebote zu finden sind - und wünschen Ihnen einen angenehmen Sommer!
Ihr fabrik.team

 

kino 1

DAS ENDE DER WAHRHEIT
BRD 2019, Farbe, 105 Min.
Regie: Philipp Leinemann
Darsteller: Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Axel Prahl, Claudia Michelsen "Spannender Politthriller, in dem die Arbeitsprinzipien des deutschen Geheimdienstwesens anhand einer komplexen Fallgeschichte aus der Innensicht veranschaulicht werden. Mit guter Besetzung und routinierter Spannungsdramaturgie ist der Film ein Beispiel für gelungenes Genre-Kino Made in Germany." (epdFilm) "... eine komplizierte, hervorragend recherchierte Geschichte, die zeitgemäße politische, gesellschaftliche Fragen auf überzeugende Weise verhandelt." (programmkino.de)
(läuft vom 27. 6. bis 3. 7. jeweils um 20.15 Uhr)

LIEBESFILM
BRD 2018, Farbe, 82 Min.
Regie: Robert Bohrer und Emma Rosa Simons
Darsteller: Eric Klotzsch, Lana Cooper Lenz ist ein Tagträumer, charmant, phantasievoll und - wie es sich für einen Dreißigjährigen in Berlin gehört - radikal entscheidungsunfähig. Nach einer durchfeierten Nacht wacht Lenz ziemlich derangiert neben Ira auf. Lenz ist verliebt. Ira auch. Es beginnt der Sommer der Liebe ..."'Liebesfilm', ein Titel, der Programm ist, ein Film, der hält was er verspricht. Doch Robert Bohrers und Emma Rosa Simons erster Spielfilm ist keineswegs ein spröder Film über zwei Menschen in Berlin, die sich verlieben, sondern eine verspielte Melange aus atmosphärischen, surrealen Momenten, der es auf ganz eigene Weise gelingt, den Zeitgeist einzufangen." (programmkino.de) "Den Drive von 'Liebesfilm' wünscht man sich im deutschen Kino öfter." (Spiegle online) (läuft vom 4. bis 10. 7. jeweils um 20.15 Uhr)
"Reihe Vielfalt und Toleranz"

NUR EINE FRAU
BRD 2019, Farbe, 97 MIin
Regie: Sherry Hormann
Darsteller: Amila Bagriacik, Rauand Taleb, Aram Arami u.a.
"Ein Mann erschießt eine junge Frau auf offener Straße. Drei Schüsse aus nächster Nähe. Die Kugeln treffen sie ins Gesicht. Die Frau ist seine Schwester. Ein Mord 'im Namen der Ehre'. In ihrem aufrüttelnden Drama zeigt Regisseurin Sherry Hormann die Hintergründe dieses realen Frauen-Schicksals im Berlin unserer Tage. Mit ungewöhnlichen Stilmitteln und einer außergewöhnlichen Erzählstruktur gelingt ihr ein authentischer Einblick in diese erschütternde Tragödie. Gleichzeitig ist ihr Film auch eine Hommage an die ungeheure Stärke einer jungen Frau, die im gnadenlosen Patriarchat um Selbstbestimmung kämpft." (programmkino.de)
(läuft vom 11. bis 17. 7. jeweils um 20.15 Uhr)

BURNING
Südkorea 2018, Farbe, 143 Min., dt. Fassung, Regie: Lee Chang-Dong
Darsteller: Yoo Ah-In, Steven Yeun u.a.
"Ein verträumter Südkoreaner verliebt sich in eine frühere Schulkameradin, die nach einer Kenia-Reise mit einem mysteriösen Gefährten nach Hause zurückkehrt. Der Daheimgebliebene schickt sich voller Eifersucht in die Rolle eines alten Freundes, bis die junge Frau plötzlich spurlos verschwindet. Das geheimnisvolle, in betörend klaren Bildern fotografierte Drama legt zahlreiche Fährten, die auf beunruhigende Weise unaufgelöst bleiben. Neben der meisterlichen Balance zwischen Thriller, psychologischer Erzählung, dokumentarischer Beobachtung und lyrischer Schönheit überzeugt der hintergründige Film auch durch exzellente Darsteller, wobei insbesondere die ungelenke Körpersprache des Hauptdarstellers eine nachhaltige Faszination ausübt." (filmdienst)
(läuft vom 18. bis 24. 7. jeweils um 20.15 Uhr)

ZWISCHEN DEN ZEILEN
Frankreich 2018, Farbe, 107 Min., dt. Fassung
Regie: Olivier Assayas
Darsteller: Guillaume Canet, Juliette Binoche u.a.
In diesem Film zeichnet der preisgekrönte Regisseur mit leichter Hand ein feines Sittenbild des intellektuellen Pariser Literaturbetriebs. Subtil legt er die Doppelleben seiner Helden offen und zeigt in treffenden Dialogen, wie vieles doch gleich bleibt, selbst wenn ständig von Veränderungen die Rede ist. Besetzt mit einem hochkarätigen Ensemble um Juliette Binoche und Guillaume Canet, bietet "Zwischen den Zeilen" zugleich intelligentes Kino und beste französische Unterhaltung. "Unsere Welt verändert sich ständig. Das hat sie schon immer getan. Die Herausforderung besteht darin, diesen Fluss im Auge zu behalten und zu verstehen, was wirklich auf dem Spiel steht, wenn wir uns anpassen - oder eben nicht." (Olivier Assayas) "Eine wunderbar wortgewandte Komödie!" (Los Angeles Times) "Ansteckend fröhlich." (Screening international) (läuft vom 25. bis 31. 7. jeweils um 20.15 Uhr)

Vorschau:
SUNSET
Ungarn/Frankreich 2018, Farbe, 142 Min., dt. Fassung
Regie: László Nemes
Darsteller: Juli Jakob, Vlad Invanov
Die junge Iris Leiter kommt 1913 nach Budapest, um in dem Laden als Hutmacherin anzufangen, der einst ihren Eltern gehörte und in dem sie ihr Leben verloren. Der jetzige Inhaber Oskar Brill weist Iris jedoch ab. Diese hat trotzdem nicht vor, Budapest zu verlassen. Beharrlich macht sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit. Dabei kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das bis in die höchsten Kreise der k.u.k Gesellschaft führt. (läuft vom 1. bis 7. 8. jeweils um 20.15 Uhr)

kino 2

Reihe Künstlerporträts
DANIEL HOPE -
DER KLANG DES LEBENS

BRD/Schweiz 2017, Farbe, 108 Min., teilw. OmU
Regie: Nahuel Lopez
"Dokumentarfilm über den 1973 in Südafrika geborenen und in London unter Anleitung von Yehudi Menuhin zum Ausnahmemusiker heranreifenden Geiger Daniel Hope. Das facettenreiche Porträt rekapituliert nicht nur die tragischen Flucht- und Vertreibungsgeschichten in der Hope-Familie; mit großer Aufmerksamkeit und hoher Sensibilität lotet es auch das Verhältnis des Star-Geigers zu seinem väterlichen Mentor aus, der dabei nur als eigentümlich verborgene ‘Sagengestalt’ die Szenerie beherrscht. " (filmdienst)
(läuft vom 4. bis 6. Juli jeweils um 20 Uhr)

"Filmreihe Rolf Hoppe"
DER BRUCH
DDR/BRD 1988, Farbe und s/w
118 Min.
Regie: Frank Beyer
Darsteller: Rolf Hoppe, Götz George, Otto Sander, Hermann Beyer u.a.
"Ein Möchtegern-Bandenchef, ein Gelegenheitsgauner und ein Profi knacken den Safe der Reichsbahn, werden aber nach dem gelungenen Coup von der eifersüchtigen Ehefrau des Gelegenheitsdiebes verraten und verhaftet. Im Nachkriegs-Berlin des Jahres 1946 angesiedelte Rekonstruktion eines tatsächlichen Falles, die mit Mitteln der Kriminalkomödie auch die Widersprüchlichkeiten der damaligen gesellschaftspolitischen Konstellationen ironisch beleuchtet. Ausgezeichnet gespielt, bis ins Detail sorgfältig ausgestattet, mit äußerst witzigen Dialogen. " (filmdienst)
(läuft am 11. und 13. 7. jeweils um 20 Uhr)

"film & gespräch"
GESCHICHTEN VOM
KÜBELKIND

BRD 1970, Farbe
Regie: Edgar Reitz, Ula Stöckl
"Die Menschen sagen dem Kübelkind, ein ‘weggeworfenes’ Kind, das in einer Mülltonne lebt, daß es sich in die Welt einbringen muß, daß es Rechte habe, auch das Recht auf Glück. Je mehr das Kübelkind von diesen Dingen erfährt, um so neugieriger wird es auf die Welt, doch die zahlt ihm seine Einbringung bitter heim. Am Ende der vielen Lernprozesse stehen Mord, Totschlag und Rache. Ula Stöckls und Edgar Reitz' meist garstige Kurz-Episoden vom Kübelkind verdichten zu einem negativ verlaufenden Sozialisationsprozeß, in dem der einzelne gegen die Masse und ihre Normen nichts auszurichten vermag. Ein Film, dem man die Fabulierlust, aber auch die damalige Wut seiner Macher ansieht." (filmdienst)
(läuft nur am 12. 7. um 20 Uhr - die Filmemacherin Ula Stöckl ist zum Gespräch im Kino!)

"Die Erinnerung darf nicht enden!"
ELSER - ER HÄTTE
DIE WELT VERÄNDERT

Regie: Oliver Hirschbiegel
Darsteller: Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner u.a.
Es waren 13 Minuten, und Georg Elser hätte die Weltgeschichte verändern können. 13 Minuten, die gefehlt haben, dass eine von ihm gebaute Bombe Adolf Hitler getötet hätte. "Nach seinem missglückten Attentat auf Adolf Hitler am 8. 11. 1939 im Münchner Bürgerbräukeller wird der junge Georg Elser an der Schweizer Grenze verhaftet, von der Gestapo gefoltert, um etwaige Mittäter preiszugeben und schließlich ins KZ Dachau eingeliefert. … In die exemplarische Biografie des Widerstandskämpfers fließen eindrucksvoll Fragen nach der Verantwortlichkeit des Einzelnen gegenüber politischem Unrecht, aber auch nach Schuld und der Bedeutung des Glaubens ein." (filmdienst)
(läuft vom 18. bis 20. 7. jeweils um 20 Uhr)

"Ein Sommer-Kult-Film"
EIN IRRER DUFT
VON FRISCHEM HEU

DDR 1977, Farbe, 92 Min.
Regie: Roland Oehme
Darsteller: Ursula Werner, Peter Reusse, Martin Hellberg u.a.
"Die Geschichte eines jungen Parteisekretärs, der bei den Leuten eines kleinen m+ecklenburgischen Dorfes als Wundertäter und Hellseher gilt. Bald beschäftigen seine merkwürdigen Fähigkeiten sowohl Kirche wie Partei. Heiteres und abwechslungsreiches Filmlustspiel mit gutem Gespür für Situationskomik." (filmdienst)
(läuft am 26. und 27. 7. jeweils um 20 Uhr)

Vorschau:
Wir können auch anders
BRD 1992/93, Farbe, 92 Min.
Regie: Detlev Buck
mit: Joachim Król, Horst Krause, Sophie Rois
“Ein Film zum Totlachen - besonders für Nordost-Deutsche.” (läuft vom 15. bis 17. 8. jeweils um 20 Uhr)